FSME Risikogebiete

FSME ist eine Virusinfektion, die durch Zecken übertragen wird. Nicht überall tragen die Zecken das Virus in sich. Die Risikogebiete zeigen an, wo das der Fall ist.
Zecken gibt es überall, nicht nur in FSME Risikogebieten

Astrid Kurbjuweit

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9 Minuten
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FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) ist eine Krankheit, die durch Zecken übertragen wird. Anders als bei der Borreliose sind die Viren im Speichel der Zecke enthalten, werden also sofort beim Stich der Zecke übertragen. Sofortige Entfernung der Zecke hilft hier also nicht weiter.

Es ist also besonders wichtig, sich vor FSME zu schützen, bevor man gestochen wird. Es gibt eine Impfung, die zuverlässig schützt. Und es gibt weitere Maßnahmen, die man entweder anstelle der Impfung, oder zusätzlich, anwenden kann.

Und hier sind die FSME Risikogebiete nützlich. Denn nicht alle Zecken übertragen FSME. Und sie sind regional höchst unterschiedlich verteilt.

Hier geht es darum, was FSME Risikogebiete sind, wie sie definiert sind und womit man in Risikogebieten und in Nicht-Risikogebieten rechnen muss.

Was sind FSME Risikogebiete?

FSME ist eine meldepflichtige Krankheit. Die Daten über alle Erkrankungen werden von den Gesundheitsämtern erhoben und beim RKI (Robert-Koch-Institut) gesammelt und aufbereitet.

Es gibt also jedes Jahr aufs Neue aktuelle Daten über die Erkrankungsraten und ihre regionale Verteilung.

Dabei fällt auf, dass FSME immer noch eine seltene Erkrankung ist. In Deutschland gibt es im Durchschnitt im Jahr zwischen 200 und 700 Fälle.

In 2022 gab es 546 FSME-Erkrankungen in Deutschland. Das sind etwa 30% mehr als im Vorjahr. Deutschland hat etwa 84,3 Millionen Einwohner. Es sind also immer noch sehr wenige.

Wegen der potenziellen Schwere der Erkrankung sind präventive Maßnahmen aber trotzdem unbedingt gerechtfertigt.

Das Risiko setzt sich zusammen aus der Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, und dem Schaden, der bei einer Infektion entsteht.

Zum Beispiel ist das Risiko, sich mit einer Erkältung in infizieren, um ein Vielfaches höher. Aber der Schaden ist eher gering. Entsprechend tut man nicht sehr viel, um die Infektion zu vermeiden.

Bei FSME ist das Risiko eher gering, aber der Schaden unter Umständen unendlich hoch (Tod oder bleibende Schäden). Entsprechend tut man mehr, um die Infektion zu vermeiden.

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Zuletzt aktualisiert am 28. Februar 2024 um 23:45 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Wie viel man tatsächlich tut, hängt aber auch von der persönlichen Risikobewertung ab.

Das Risiko, sich zu infizieren, ist dabei in den definierten Risikogebieten höher als anderswo. Garantien gibt es aber nirgends.

Die Definition eines Risikogebietes ist dabei kompliziert.

Definition eines FSME Risikogebietes

Es werden immer ganze Landkreise als Risikogebiet angegeben, oder eben nicht. Für jeden Landkreis werden alle vorhandenen Daten der zurückliegenden Jahre zu Fünfjahres-Intervallen zusammengefasst. Jedes einzelne Jahr ist dabei Bestandteil von fünf Intervallen.

Dieses Vorgehen führt dazu, dass Schwankungen, die durch die absolut niedrigen Fallzahlen hervorgerufen werden, weniger Gewicht bekommen.

Es gibt also das Fünfjahresintervall von 2018 bis 2022, von 2017 bis 2021 undsoweiter. Rückwirkend bis 2002.

In jedem dieser Intervalle wird die Inzidenz für jeden Landkreis, jede kreisfreie Stadt bestimmt. Es gibt also eine Reihe von Inzidenzen über die Zeit.

Wenn mindestens eine dieser Inzidenzen signifikant höher liegt als ein Fall pro 100.000 Einwohner, dann wird der jeweilige Kreis als Risikogebiet definiert.

Ein Risikogebiet kann also in einem Landkreis mit wenigen Einwohnern unter Umständen aufgrund einer einzigen, lange zurückliegenden Infektion bestehen.

Durch diese Definition gibt es sehr viele Risikogebiete. Es ergibt sich, dass das individuelle Risiko, an FSME zu erkranken, auch in Risikogebieten nicht zwingend sehr hoch ist.

Also, nur weil ein Landkreis ein Risikogebiet ist, heißt das nicht, dass es dort ständig FSME-Erkrankungen gibt. Panik ist also nicht angebracht.

Umgekehrt gibt es, und gab es in der Vergangenheit, auch FSME-Infektionen in Nicht-Risikogebieten. Die Zahl dieser Infektionen ist aber zu gering, als dass der jeweilige Landkreis der Definition der Risikogebiete entsprechen würde.

Statistisch ergibt die Definition also durchaus Sinn, nur für die persönliche Einschätzung des individuellen Risikos hilft sie nur bedingt.

Aber man kann davon ausgehen, dass eine FSME-übertragende Zecke nicht alleine ist.

Irgendwo da draussen ist sie, die Zecke, die FSME überträgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst genau da vorbeikommt, wo diese Zecke sich aufhält, ist gering. Die Wahrscheinlichkeit, auch noch von ihr gestochen zu werden, ist noch geringer.

Wie oben erwähnt, hatten in der Vergangenheit in Deutschland jedes Jahr zwischen 200 und 700 Menschen dieses Pech.

Karte der Risikogebiete

Die ermittelten Risikogebiete werden vom RKI anschaulich in einer Karte dargestellt. Dabei fällt auf, dass in Deutschland vor allem der Süden und der Osten betroffen sind. Bayern, Baden-Württemberg, und Teile von Thüringen und Sachsen sind sozusagen traditionelle Risikogebiete.

Aber es werden jedes Jahr neue Gebiete als Risikogebiete ausgewiesen. Die Fläche wird langsam aber sicher immer größer.

Auch die neuesten Daten, die das RKI im März 2023 veröffentlicht hat, haben wieder dazu geführt, dass es drei zusätzliche Landkreise geschafft haben, der Definition eines Risikogebietes zu entsprechen.

Wofür sind FSME Risikogebiete gut?

Der Grund für die Definition und Ausweisung der Risikogebiete ist wie immer administrativer, finanzieller Natur.

Wer in einem Risikogebiet lebt, bekommt die FSME Impfung von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Wer in ein FSME-Risikogebiet reist, bekommt die Impfung unter Umständen bezahlt.

Daneben sind sie natürlich auch für die statistische Betrachtung, die Entwicklung der FSME Verbreitung, wichtig. Denn die Krankheit breitet sich aus.

Die Fallzahlen steigen, zwar nicht dramatisch, aber doch langsam und unaufhaltsam. Entsprechend besteht das Risiko einer Infektion in immer größeren Gebieten.

In den besonders stark betroffenen Gebieten, vor allem den Flußtälern in Bayern und Baden-Württemberg, sind bis zu 5% aller Zecken mit FSME infiziert. Überall sonst sind es weniger.

Das Risiko besteht also nicht so sehr in der großen Zahl, sondern mehr in der Krankheit. FSME kann einen sehr schweren Verlauf nehmen, ist potenziell tödlich, hinterlässt oft bleibende Schäden.

Und, um einem Missverständnis zu begegnen: Zecken gibt es überall. Zecken können überall Borreliose und noch eine ganze Reihe seltener Krankheiten übertragen. Nur FSME gibt es, zumindest aktuell, noch nicht überall.

Was bedeutet das für das individuelle Risiko, an FSME zu erkranken?

Das individuelle Risiko, an FSME zu erkranken, ist sehr unterschiedlich.

Bei der Ausweisung der Risikogebiete geht es nicht um das individuelle Risiko, sondern mehr um eine gesamtgesellschaftliche Abwägung. Lohnt es sich für die Allgemeinheit, den Menschen die Impfung zu bezahlen?

Bundesweit kann man davon ausgehen, dass man in Städten, bei städtischer Lebensweise, ein sehr geringes Risiko hat, von einer Zecke gestochen zu werden. Das Risiko, sich mit FSME zu infizfieren, ist entsprechend noch niedriger.

Anders sieht es aus, wenn man viel in der Natur unterwegs ist. Hundehalter, Landwirte und Forstbedienstete haben ein höheres Risiko, ebenso Kinder und alle, die sich im hohen Gras oder im Wald aufhalten.

FSME Risikogebiet - feuchte Wiesen, hohes Gras, Unterholz sind Orte mit hoher Zeckendichte

FSME Risikogebiete: Natur wie feuchte Wiesen, hohes Gras, Unterholz sind Orte, an denen sich Zecken bevorzugt aufhalten.
Foto: Marcus E Jones/Shutterstock

Wer viel draussen ist, hat ein höheres Risiko, als ein Stubenhocker. Auch der eigene Garten ist nicht zwingend zeckenfrei.

Ein Wanderurlaub oder Camping in einem FSME Risikogebiet wäre also ein Grund, das individuelle Risiko abzuwägen. Eine Städtetour eher nicht so.

Aber das Risiko ist eben niemals null. Die persönliche Risikobewertung hängt von den objektiven Daten ab, aber eben auch von der ganz persönlichen Einschätzung.

Für die Antwort auf die Frage, wie gefährlich Zecken sind, sind die Risikogebiete also durchaus hilfreich, aber nicht die ganze Wahrheit.

Warum gibt es FSME auch außerhalb der Risikogebiete?

Die Risikogebiete sind definiert. Es muss in der Vergangenheit eine Mindestzahl an Infektionen gegeben haben, damit ein Landkreis als Risikogebiet ausgewiesen wird.

Wenn es zwar Infektionen gab, es aber zu wenige waren, dann wird der entsprechende Landkreis nicht als Risikogebiet ausgewiesen.

Das ist sinnvoll. Denn zum einen kann FSME (selten) auch auf anderem Wege übertragen werden. Und zum anderen sind Menschen mobil. Die Ansteckung muss nicht zwingend am Wohnort passiert sein.

Viele Menschen arbeiten in anderen Landkreisen, als sie wohnen. Zum Einkaufen fahren sie in noch andere Landkreise und Spazieren gehen sie ganz woanders.

Überhaupt sind Landkreisgrenzen im Alltag überhaupt nicht relevant. Die ganze administrative Statistik orientiert sich aber an Landkreisen.

Es gibt auch immer wieder Infektionen, sowohl mit FSME als auch mit Borreliose, ohne dass die betroffene Person sich an einen Zeckenstich erinnern kann.

Bei der Ausweisung der Risikogebiete geht es um eine Quantifizierung des Risikos, um eine Abwägung dieses Risikos gegen andere Gefahren und gegen den Preis, den es kostet, dem Risiko zu begegnen.

Es gibt im Leben viele Gefahren. Vieles ist wahrscheinlicher als ausgerechnet das Risiko, an FSME zu erkranken. Man muss immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung machen.

Was tun, wenn man in einem Risikogebiet lebt?

Wer in einem FSME Risikogebiet lebt, hat ein höheres Risiko, sich mit FSME zu infizieren, als jemand, der in einem Nicht-Risikogebiet lebt.

Das gilt insbesondere, wenn der eigene Landkreis von weiteren Risiko-Landkreisen umgeben ist.

Je mehr Outdoor in der eigenen Lebensweise vorkommt, umso sinnvoller ist eine Impfung, umso sinnvoller ist allgemeiner Zeckenschutz.

Die Impfung schützt wirksam vor einer Infektion mit FSME, sie schützt nicht vor Zeckenstichen.

Wer also nicht nur sein FSME-Risiko, sondern auch das, überhaupt von einer Zecke gestochen zu werden, im Blick hat, sollte, entweder anstelle der Impfung, oder besser zusätzlich, weitere Maßnahmen in Betracht ziehen.

Denn die FSME Impfung schützt nicht vor Borreliose und anderen Krankheiten. Borreliose ist viel häufiger als FSME, und auch eine Krankheit, die man nicht bekommen möchte.

FSME Risikogebiete international

FSME gibt es nicht nur in Deutschland. In Europa und in Teilen von Asien ist es ebenfalls verbreitet. Andere Kontinente scheinen bisher verschont zu sein.

In mehreren europäischen Ländern wird die Krankheit überwacht, es gibt statistische Daten.

Die europaweit aggregierten Daten sind dabei meistens nicht so aktuell wie die für die einzelnen Länder. Wenn man also vor einer Reise wissen möchte, wie die Lage ist, sind die europaweit aggregierten Daten ein erster Anlaufpunkt.

Wenn man dann sieht, dass das jeweilige Land eher hohe Inzidenzen hat, lohnt es sich, genauer hinzugucken.

Deutschland ist dabei tatsächlich ein Hot Spot für FSME, aber auch in den baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen gibt es hohe Inzidenzen.

Auch Schweden, Finnland, Schweiz, Tschechien und Österreich haben Inzidenzen, die denen in Deutschland nicht nachstehen.

Südeuropa scheint weniger stark betroffen zu sein.

Nicht überall gibt es so genaue Statistiken wie in Deutschland. Garantien gibt es also wie immer keine.

Bedingt durch den Klimawandel, aber auch durch Reisen und Warenverkehr, verbreitet sich die FSME immer weiter. Die Risikogebiete werden also international, europaweit immer größer.

Ob es insgesamt, europa- und weltweit auch mehr Infektionen gibt, ist dabei noch unklar.

Unsere heimischen Zecken, ixodes ricinus oder Holzbock, mögen trocken-heiße Sommer nicht so sehr. Aber es gibt andere Zeckenarten, die auch FSME übertragen können.

Es ist also unklar, wie es weitergeht.

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Beitragsbild: 24K-Production/Shutterstock