FSME Impfung: Was das ist und wer sich impfen lassen sollte

Die FSME Impfung wird auch als Zeckenimpfung bezeichnet. Aber sie schützt nur vor der Krankheit FSME, nicht vor Zeckenbissen und auch nicht vor anderen Krankheiten, die Zecken auch übertragen können. Argumente für die Impfung
FSME Impfung, in den Oberarm

Astrid Kurbjuweit

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9 Minuten
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FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) ist eine Krankheit, die durch Zecken übertragen wird. Es gibt auch noch andere Übertragungswege, die aber in der Praxis keine Rolle spielen.

FSME ist eine schwere Krankheit, gegen die es keine Behandlung gibt. Es gibt aber eine Impfung, die FSME Impfung. Sie wird manchmal auch als Zeckenimpfung bezeichnet.

Hier geht es um die Frage, ob man sich gegen FSME impfen lassen soll.

Was ist FSME?

Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist eine Entzündung der Rückenmarksnerven und der Gehirnhäute. Manchmal entzündet sich auch das Gehirn selbst. Die Krankheit wird durch Viren ausgelöst, die wiederum durch Zecken übertragen werden.

Nicht jede Zecke trägt das Virus. Nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen wird, wird krank.

Aber wenn man krank wird, ist die FSME eine wirklich sehr schwere Krankheit, mit neurologischen Ausfällen, Aufenthalt auf der Intensivstation, dem Risiko bleibender Schäden und sogar der Möglichkeit, daran zu sterben.

Man kann es kurz machen, FSME möchte man nicht bekommen.

Hinzu kommt, dass es keine wirksame Behandlung gibt. Das ist ein großer Unterschied zur Borreliose, gegen die Antibiotika helfen.

Wer also FSME bekommt, kann auch im Krankenhaus nur symptomatisch behandelt werden, kann nur hoffen, dass der Körper mit den Viren fertig wird.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, FSME zu bekommen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Risiko gering ist. Ohne Zeckenstich bekommt man normalerweise keine FSME.

Es gibt andere Übertragungswege, die aber in der Praxis keine Rolle spielen. Das Problem ist, dass man nicht jeden Zeckenstich bemerkt.

FSME wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Nur Zecken, die das Virus in sich tragen, können es auf den gestochenen Menschen übertragen. Es ist nicht genau bekannt, wie viele Zecken das Virus tragen. Aber es wird geschätzt, dass in den Risikogebieten zwischen 0,1% und 5% der Zecken Virusträger sind.

Außerhalb der FSME-Risikogebiete sind es weniger. Ein Zeckenstich bedeutet also nicht automatisch eine Infektion mit FSME, auch nicht in den Risikogebieten.

Wenn man von einer Zecke gebissen wird, die das FSME-Virus in sich trägt, wird man nicht automatisch krank.

Mehr als die Hälfte der Infizierten wird überhaupt nicht krank. Die anderen entwickeln ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich grippeähnliche Symptome.

Etwa die Hälfte davon wird ungefähr noch eine Woche später richtig krank, zeigt einen schwerwiegenden Verlauf der Erkrankung.

2022 gab es in ganz Deutschland 546 FSME-Erkrankungen, laut RKI. 99% davon waren nicht geimpft. Die Zahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr, aber es gibt eine Tendenz zu mehr Erkrankungen. Es gibt auch immer mehr Zecken.

Insgesamt ist das Risiko, schwer krank zu werden, gering. Wenn man aber krank wird, dann geht es um alles.

Symptome der FSME und Krankheitsverlauf

Wie erkennt man, ob man FSME hat?

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt meistens zwischen einer und zwei Wochen. Es kann aber auch einen ganzen Monat dauern.

Bei Symptomen innerhalb dieser Zeitspanne nach einem Zeckenbiss sollte man also eine FSME in Betracht ziehen und ernst nehmen.

Allerdings auch sonst. Denn Zeckenstiche werden nicht immer bemerkt.

In der ersten Krankheitsphase besteht die Möglichkeit, die Krankheit mit einer Grippe oder einem grippalen Infekt zu verwechseln.

Man bekommt Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber, Schwindel, manchmal auch Erbrechen.

Diese Symptome verschwinden von alleine wieder. Für viele Betroffene ist die FSME damit überstanden.

Für einige allerdings nicht. Nach einer symptomfreien Übergangsphase bricht die Krankheit bei ihnen erneut aus, diesmal richtig.

Dann ist keine Verwechslung mehr möglich. Auch wenn man nicht weiß, was man hat, weiß man, dass man ins Krankenhaus muss.

Symptome sind

  • starke Kopf- und Nackenschmerzen
  • Lähmungen
  • Atemlähmungen
  • starke Schläfrigkeit
  • Sprechstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Bewusstseinsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Schluckstörungen
  • hohes Fieber

Auch wenn nicht jeder alle Symptome bekommt, so besteht doch die Möglichkeit, dass man ziemlich plötzlich so schwer krank wird, dass man sich nicht mehr selbst helfen kann.

Die Krankheit kann von alleine ausheilen. Man kann auch sagen, sie muss von alleine ausheilen, da es keine ursächliche Behandlung gibt.

In seltenen Fällen sterben Menschen an FSME. Andere behalten bleibende Schäden zurück. Sehr viele werden wieder vollständig gesund, behalten aber eine Erfahrung, die sie nicht noch einmal erleben wollen.

Wer eine FSME durchgemacht hat, ist erstmal immun. Vielleicht sogar lebenslang. Da die Dauer der Immunität aber nicht bekannt ist, wird eine Impfung 3 bis 5 Jahre nach der Erkrankung empfohlen.

Wer eine FSME durchgemacht hat, weiß allerdings auch ganz genau, dass er das nicht noch einmal erleben möchte. Spätestens dann wird klar, dass man sich schützen muss.

Wie man kann die Ansteckung mit FSME vermeiden?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um die Infektion mit FSME zu vermeiden. Das eine ist, Zecken wirklich aus dem Weg zu gehen, keine Zeckenbisse zu bekommen. Das schützt auch vor anderen zeckenübertragenen Krankheiten.

Es bedeutet, nicht dorthin zu gehen, wo Zecken sind, Zeckenschutzkleidung zu tragen, Repellentien und Vertreibungsmittel zu verwenden. Bei allen diesen Maßnahmen wirklich sehr konsequent zu sein.

Da sich das nie zu 100% realisieren lässt, und im Alltag eine erhebliche Beeinträchtigung bedeutet, sollte man die zweite Möglichkeit in Betracht ziehen. Das ist die Impfung gegen FSME.

Wer ungeimpft ist, sollte wirklich sehr sorgfältig jeden Zeckenstich vermeiden. Denn anders als bei der Borreliose werden die Erreger der FSME direkt beim Stich der Zecke übertragen.

Sofortige Zeckenentfernung schützt also vor Borreliose, und auch vor anderen, selteneren Krankheiten, nicht aber vor FSME.

Sobald die Zecke sticht, ist es zu spät. Denn die Viren befinden sich im Speichel der Zecke, kommen sofort mit der Wunde in Kontakt.

FSME Impfung: Was man beachten sollte

Rein rational betrachtet, ist die Sache ziemlich klar. Die FSME Impfung sollte man sich unbedingt holen.

Trotzdem haben viele Menschen Bedenken und Sorgen, haben Angst vor Nebenwirkungen und Spätfolgen der FSME Impfung.

Impf-Empfehlungen

Es gibt Empfehlungen zur Impfung von der STIKO (Ständige Impfkommission) und vom RKI. Demnach sollen sich Erwachsene und Kinder impfen lassen, die in einem der ausgewiesenen FSME-Risikogebiete leben und Kontakt zur Natur haben.

Das gilt für alle, die in Wald, Feld und Flur unterwegs sind oder sich dort aufhalten, egal aus welchem Grund. Forstarbeitern und Landwirten wird die Impfung genauso empfohlen wie Menschen, die mit dem Hund im Wald spazieren gehen, oder Kindern, die im Garten spielen.

Für Kinder ist die Impfung besonders empfohlen, weil sie eher als Erwachsene tatsächlich in Kontakt mit Zecken kommen.

Weiter sollte sich jeder impfen lassen, der in eins dieser Risikogebiete reist, egal, ob im Inland oder Ausland. Wer also z. B. im Schwarzwald wandern geht, sollte sich vorher impfen lassen.

Passend zu den Impf-Empfehlungen bezahlen die Krankenkassen die Impfung für alle, die in einem Risikogebiet leben. Manche Krankenkassen bezahlen auch vor Reisen in Risikogebiete. Nachfragen lohnt sich.

Wie läuft die Impfung ab?

Es gibt zwei FSME-Impfstoffe, die beide gleich gut wirksam sind. Es gibt sie in unterschiedlichen Dosierungen, für Kinder und für Erwachsene.

Beide Impfstoffe enthalten abgetötete Viren, die das Immunsystem zu einer Reaktion veranlassen. Die abgetöteten Viren können sich nicht vermehren, man kann also von der Impfung keine FSME bekommen.

Das Immunsystem erinnert sich dann für lange Zeit an diese Reaktion, die im Falle einer tatsächlichen Infektion dann sehr schnell wiederholt werden kann. So dass die Viren dann keine Chance haben, sich zu vermehren.

Dadurch wird die Krankheit vermieden, die wenigen Viren, die beim Zeckenstich übertragen wurden, werden sozusagen sofort eliminiert.

Diese Impfwirkung tritt vorhersagbar auf. Nur Menschen mit eingeschränkter Immunantwort reagieren unter Umständen nicht stark genug auf die Impfung, die dann nicht oder nur eingeschränkt wirkt. Im Zweifel hilft es, den Arzt, die Ärztin zu befragen.

Kinder können ab einem Alter von 1 Jahr geimpft werden.

Das Impfschema ist bei beiden Impfstoffen sehr ähnlich. Die Wirkung ist gleich. Man kann also einfach nehmen, was da ist, braucht über den Impfstoff nicht nachzudenken.

Pflaster am Oberarm einer Frau, nach FSME Impfung

Die FSME Impfung ist nur ein kleiner Pieks in den Oberarm.
Foto: Impact Photography/Shutterstock

Eine vollständige Immunisierung besteht aus drei Impfungen. Die zweite Impfdosis wird ein bis drei Monate nach der ersten Dosis gegeben. Danach besteht ein weitgehender Impfschutz.

Eine dritte Impfung 5 bis 12 Monate später führt zu einem vollständigen Impfschutz.

Wer dringend jetzt sofort einen Impfschutz benötigt, kann nach einem Schnellschema geimpft werden. Dabei wird die zweite Dosis zwischen einer und zwei Wochen nach der ersten verabreicht und die dritte Dosis nochmal zwei Wochen bis 12 Monate später, je nach Impfstoff.

Die Anwendung des Schnellschemas führt zu einem schnellen, aber nicht vollständigen Impfschutz.

Der Abstand zwischen den Impfdosen muss nicht zwingend exakt eingehalten werden. Immunität wird auch hergestellt, wenn die Abstände nur ungefähr eingehalten werden. Wenn man also seinen Impftermin vergessen hat, kann man diesen einfach nachholen.

Auffrischimpfungen werden alle drei bis fünf Jahre empfohlen. Wenn man die Auffrischimpfung vergessen hat, kann sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt nachgeholt werden.

Die Impfung selber ist ein kleiner Pieks in den Oberarm, bei kleinen Kindern eventuell in den Oberschenkel.

Nebenwirkungen und Spätschäden der FSME Impfung

Vor allem nach der ersten Impfdosis kann es zu Impfreaktionen kommen, die an einen grippalen Infekt erinnern.

Dabei handelt es sich nicht direkt um Nebenwirkungen. Sondern man kann hier das Immunsystem bei der Arbeit beobachten, die Reaktionen zeigen, dass die Impfung wirkt.

In jedem Fall sind diese Nebenwirkungen deutlich milder als jede FSME Infektion, führen auch nicht zu bleibenden Schäden.

Spätschäden der Impfung sind nicht bekannt. Allerdings kann eine FSME Infektion zu bleibenden Schäden führen. Die Impfung vermeidet also Spätschäden.

Kosten der FSME Impfung

Wenn man in einem Risikogebiet wohnt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Impfung.

Wenn man nur in ein Risikogebiet reist, lohnt es sich, bei der Krankenkasse nachzufragen. Einige Kassen übernehmen die Kosten auch dann.

Wenn die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, kann man sich immer noch als Selbstzahler impfen lassen.

In Deutschland kostet die Impfung pro Dosis etwa 50 Euro (2024). In anderen Ländern können andere Preise gelten.

Die FSME Impfung gibt es beim Hausarzt, bei der Hausärztin.

Fazit

Die FSME Impfung schützt zuverlässig vor der schweren Krankheit FSME. Nebenwirkungen sind äußerst selten und stehen in keinem Verhältnis zum Gewinn an Sicherheit.

Fast alle FSME Erkrankten in Deutschland waren nicht geimpft. Mit Impfung kann man diese Krankheit quasi überhaupt nicht bekommen.

Das heißt, man kann sich sicher und unbeschwert in Wald, Feld und Flur bewegen, ohne Angst vor dieser schweren Krankheit haben zu müssen.

Vor Borreliose und anderen zeckenübertragenen Krankheiten muss man sich allerdings trotzdem noch schützen. Hier leistet eine Zeckenzange gute Dienste.

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Beitragsbild: H_Ko/Shutterstock